Felix erstes Abenteuer: Mit Baby und zwei Fahrrädern 1404 km (647 Radkilometer) durch Portugal und Spanien

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Felix` erstes Abenteuer: 1404 km von Lissabon nach Alicante [647 Radkilometer]

Tag 1 (28.04.2016): Wir fliegen nach Lissabon

31. July 2016, Florian - Reise

 

Endlich ist es soweit: 6 Uhr, 28.4.2016, Euroairport Basel, Mulhouse, Freiburg – wir sitzen in einem easy Jet Richtung Lissabon, Portugal. Unser Sohn Felix, 9 Monate, meine Frau Corina,  zwei Velotraum-Reiseräder, ein Chariot-Kinderanhänger,  neun Fahrradtaschen, ein Fahrradrucksack und ich fliegen ungefähr 10000 m in der Luft über der Schweiz in unseren ersten Fahrradurlaub. Die Tage zuvor haben wir unsere neuen Fahrräder bei Pedal-Plus in Freiburg durchchecken und in Fahrradkartons einpacken lassen. Die Fahrräder müssen bei Easy-Jet in einem Fahrradkasten oder - sack verpackt werden. So bat ich Rudi von Pedal-Plus die Räder so klein wie möglich und sicher in die, extra für diesen Zweck aufgehobenen, Velotraum-Lieferkartons einzupacken (in Kastenform). Um 4:30 Uhr erreichten wir den Euroairport mit unseren neun Fahrradtaschen (4x20l Ortlieb Backpacker; 2x12,5l Orange Line Ortlieb Sport-Roller; 2x13l Classic Ortlieb Sport-Roller, 1xOrtlieb Lenkertasche L), einem Ortlieb-Sack für unser altes Salewa-Zelt (Denali III) und unserem Fahrradrucksack. Wir schafften es, alles auf zwei Gepäckwägen zu verstauen. Am Check-in Schalter erwartete uns ein freundlicher, junger Easy-Jet-Kollege, der uns mit Augenzwinkern 6 Fahrradtaschen mit signalrotem Flughafen-Tape zu einem zusammenkleben ließ; drei Taschen hatten wir vorab in einen alten Rollkoffer verstaut (es ist offiziell nur ein Gepäckstück pro Passagier erlaubt). Auch am Sperrgepäck-Schalter hatten wir keinerlei Probleme mit dem Fahrradanhänger und den zwei Fahrradkartons. Letztendlich ist es, glaube ich, ziemlich egal, wie die Fahrräder verpackt sind (Karton oder Bläschenfolie), es muss nur sichergestellt sein, dass sie keine anderen Gepäckstücke beschädigen und selber nicht beschädigt werden. 

Angekommen am Flughafen in Lissabon, kauft uns Corina, auf Anraten der Vermieterin unserer Ferienwohnung, zwei Transportation-Tickets (jeweils 6 €). Alle neun Fahrradtaschen, zwei Fahrradkartons, der Anhänger, unser kleiner Rucksack und wir passen in ein Taxi. Unsere Wohnung liegt etwas abgelegen in Alcantara. Die Lage stellt sich später als sehr hilfreich heraus. Witzig ist die Küche, sie besteht fast nur aus OSB-Platten. Auch das Spülbecken ist in OSB-Platten eingelassen (keine so gute Idee). Die Fahrradkartons verstauen wir im EG und machen uns auf den Weg in die Innenstadt. Felix’ Wagen passt gerade so in den Stehbereich im hinteren Wagen der historischen Straßenbahn. Die Portugiesen sind extrem hilfsbereit, auch wenn unser Wagen die Kapazität der Eléctrico 28 – die wirklich immer total vollgestopft wird – erheblich reduziert. Super Wetter; Sonnenschein in Lissabon, Portugal. Wir spazieren durch die Gässchen und erklimmen über eine Treppe den schönen Stadtteil „Bairro Alto“. Nach einem kleinen Imbiss geht es weiter durch die Gässchen; vorbei am Café a Brasileira und an Fernando Pessoa in Bronze – hier kann man sich vorstellen, wie Weltliteratur entsteht. Gleich oberhalb ein schöner Platz und auf der rechten Seite eine Bäckerei, in der die berühmten Pasteis de Nata fließbandartig hergestellt werden; Vanille-Blätterteig mit Zitrone, dazu ein starker Espresso. Touristen und Einheimische stehen gemeinsam in der Schlange. Wir besuchen einen schönen Park direkt bei der Estrela. Felix geht auf Taubenjagd. Auf Empfehlung von José, meinem portugiesischen Arbeitskollegen, besuchen wir das Restaurant Lisboa a noite. Corina isst Zackenbarsch mit Spinat und Selleriepüree; für mich gibt es Risotto mit Langusten und Jakobsmuscheln – was für ein Festessen. Felix bekommt ein großes Stück Fisch gratis. Zum Dessert gibt es Pasteis de Nata in der OSB-Küche. 


Tag 2 (29.04.2016): Lissabon

18. July 2016, Florian - Reise

Pasteis de nata zum Frühstück und mit der Eléctrico 28 aufs Castello; ein herrlicher Blick über Lissabon und ein Café inmitten von Pfauen; Felix ist total ausgeflippt. Wir laufen durch den Stadteil Alfama zum Bahnhof Santa Apolónia; der Hunger treibt uns gerade noch um die Kurve in ein verstecktes Restaurant. Wir bestellen das Mittagsmenü, Felix bekommt Aubergine mit Hackfleisch und etwas Sardine; zum Nachtisch gibt es Orangenkuchen und Orangen mit Zimt für Corina und beides für Felix. Ein Galão (eine starker Kaffee mit viel Milch) und dann mit dem Zug Richtung Oceanário (überhaupt kein Problem mit dem Fahrradanhänger und wesentlich schneller als der Bus). Ein beeindruckendes Aquarium erwartet uns. Sortiert nach den verschiedenen Gewässern wie Atlantik, Pazifik und Indischem Ozean. In der Mitte ein riesiges Becken mit Sandtiger-Haien, einem Mondfisch, Leopardenhaien, und Mantas,  außerdem entdecke ich einen kleinen Schwarzspitzenriffhai.  Felix ist begeistert. Eine Sonderausstellung des japanischen Künstlers Takashi Amano (http://www.adana.co.jp/en/lisbon) reisst mich völlig mit. Die verschiedenen Unterwasserpflanzen bewegen sich im unterschiedlichen Rhythmus, je nach ihrer Beschaffenheit in der Strömung; zusammen mit den Fischen entsteht ein Orchester. Faszinierend; kapiere es erst nach ein paar Extrarunden und nachdem die Schulklassen den Raum verlassen haben. Ich hole in einem absoluten Mini-Mercado (vor dem uns die Vermieterin eigentlich gewarnt hat; sie laufe da immer schnell vorbei) zwei Flaschen Wasser und ein Bier und brate die Dorade und Zucchini in Olivenöl an. Dazu gibt es Nudeln al dente, frisch aus der OSB-Küche. Heute haben wir gelernt, dass es in portugiesischen Zügen Fahrradabteile gibt.


Tag 3 (30.04.2016): Lissabon

18. July 2016, Florian - Reise

Nach dem Frühstück packe ich die Fahrräder aus und montiere die Pedale, die Sättel, meinen Frontgepäckträger, die Schutzbleche; das Material ist unbeschädigt (weil gut verpackt). Zusätzlich zu einem Multitool habe ich noch einen 8er- und 10er-Schlüssel dabei und ein Schweizer Taschenmesser. Die Velotraum-Kartons nehmen wir mit zum Bahnhof Alcantara terra; unser Plan war, Sintra zu besichtigen. Ein netter junger Mann aus einem Obstladen in Alcantara gibt mir den Tipp, die Kartons neben zwei großen Müllcontainern auf der anderen Straßenseite abzustellen, das Müllauto würde sie mitnehmen. Eine ältere Obstladenbesucherin nimmt sich noch etwas Bläschenfolie für private Zwecke, und ich freue mich über den letzten (je nach Müllauto vielleicht vorletzten) Nutzen meiner Fahrradverpackung. Den Bahnhof erreichen wir leider nicht, ein rot-weißes Markierungsband hängt uns im Weg. Eine Frau und ein Mann putzen die Bahnsteige. Leider kann uns der Kioskverkäufer auch nur in ein paar Wörtern Englisch erklären, dass der Bahnhof zu hat. Von einem Taxifahrer erfahren wir, dass samstags und sonntags kein Zug in Alcantara terra hält: Der Bahnhof ist geschlossen. Corina entdeckt ein Busschild und wir nehmen den nächsten Bus in Richtung Campolide, ein Stadtteil von Lissabon mit einem relativ großen Bahnhof, von dem aus die zwei portugiesischen Verkehrsunternehmen Fertagus und CP (Comboios de Portugal) verschiedene Ziele ansteuern. Richtung Sintra geht es mit CP. Wir schauen uns die Zugverbindungen an, auch für unsere spätere Ausreise aus Lissabon, fotografieren die Zeiten und Verbindungen und entscheiden uns wieder mit dem Bus in unsere Wohnung nach Alcantara zu fahren, um morgen direkt und mit allem Gepäck nach Sintra zu reisen. In der Wohnung angekommen, justieren wir die Ortlieb-Taschen, leider fehlt ein Pärchen passende Adapter für die gebrauchten, etwas älteren Backpacker. Sie sitzen aber trotzdem ganz gut auf der 10mm-Gepäckträgerstange. Den Ortlieb-Zeltsack klicken wir um Corinas Sattel und befestigen ihn mit einem der drei Spanngummis (die anderen zwei stellen sich später noch als extrem hilfreich heraus). Mit Hilfe eines YouTube-Videos montiere ich die Lenkertasche. Am Mittag gibt es den Rest Nudeln vom Vortag. Nachmittags suchen wir Gaskartuschen. An der Straßenbahnhaltestelle San Sebastián und mit Hilfe einer Gruppe von portugiesischen Pfadfindern finden wir ein Einkaufszentrum und den Laden Declathon. Wir kaufen noch ein paar Proviantriegel, freuen uns so sehr über die günstigen Preise, dass wir noch ein T-Shirt für Corina, ein Hemd für mich, Socken und einen dünnen Kletterstrick (Wäscheleine) kaufen. Das Gratis-WLAN des Outdoor-Ladens führt uns in den nahegelegen Park des Glubenkian-Museums. Leider ist nur noch der Park offen; Felix rennt wie wild durchs Gras, jagt Tauben und flirtet mit anderen Parkbesuchern. Wir gehen auf dem Heimweg noch in die Mall und kaufen Auberginen, Ziegenkäse und Pita, und bereiten unser Abendessen in der gemütlichen OSB-Ferienwohnungsküche zu. Es gibt leider kein Pasteis de nata mehr.    


Tag 4 (01.05.2016): Lissabon-Sintra (Zug)

18. July 2016, Florian - Reise

 

Jetzt stellt sich heraus, dass unsere Ferienwohnung in Alcantara für unser Radabenteuer gut liegt. Wir stehen extra früh auf, an diesem Sonntag, um möglichst wenig verrückten (und nicht-verrückten) Lissabonner Autofahrern auf dem Weg zum Campolide-Bahnhof zu begegnen. Der Plan geht auf; der Bahnhof ist etwas schwer zu finden, da man eine große Autobahn (und das riesige Aquädukt) kreuzen muss. Letztendlich fragen wir uns durch und der GPS hilft (gebrauchter Garmin Dakota 20; für 90 € bei Ebay-Kleinanzeigen erstanden; mit OSM-Karte Spanien und Portugal). Unsere erste bepackte Radfahrt geht gut; Felix schläft seinen Morgenschlaf und wir kommen dank kleinem 1-Kind-Anhänger gut durch die verschiedenen Stadt-Hindernisse. Im Bahnhof hilft uns ein Angestellter durch die Barriere (gläserne Türchen, die elektronisch mit der Fahrkarte geöffnet werden; es gibt extragroße, aber mein Fahrrad mit Anhänger ist zu lang, sodass wir jedes Mal Hilfe benötigen, die auch immer prompt kam und freundlich war). Erfreulicherweise passen unsere Fahrräder der Länge nach genau in die Aufzüge. Sodass wir eins nach dem anderen aufs Gleis bringen. Jetzt wird es spannend. Passen unsere riesigen Fahrräder (mit jeweils 4-5 Gepäcktaschen) plus Felix im Anhänger ins Fahrradabteil? Alles hat Platz; ein Spanngummi hilft, die Räder in diesem CP-Zug zu sichern (echt praktisch; ich empfehle jedem Radreisenden mindestens zwei mitzunehmen). In Sintra gehen wir erstmal in die Lonely-Planet-Empfehlung Saudade-Café: Zum ersten Mal ein richtig guter Galão mit Espresso und viel Milch. Felix spielt zwischen Anhänger und Eisengeländer. Danach geht es mit den Rädern und dem gesamten Gepäck zum Palácio und Park Pena. Unser erster Kampf, einige Höhenmeter.  Es geht alles gut; oben angekommen, können wir nach mehrfachen Erkundigungen unserer Gepäck abgeben (zumindest das wichtigste) und legen uns erst mal in den Park; Felix spielt, es gibt Brot mit Ziegenkäse und Fruchtsäfte aus einem nahegelegenen Café. Die Natur, der Park, die Burgen und Schlösschen beeindrucken uns tief. Sintra ist wie eine kleine Märchenwelt. Später fahren wir hinunter in das Nice Way Sintra Hostel; auch eine Lonely-Planet-Empfehlung. Eine Villa mit tollem Garten. Wir liegen noch etwas in der Sonne auf zwei riesigen Kuschelkissen und Felix spielt mit dem Spielzeug eines französischen Gastes. Dann gehen wir ins Tasca do Xico. Wir essen Octopus-Salat und Lachs mit Garnelen. Uns geht es gut. Felix am besten; er vernichtet fast den ganzen Lachs. Danach fallen wir in unser gemütliches Bett und Babybett. Felix hat die beste Nacht, und damit Corina und ich auch. 


Tag 5 (02.05.2016): Sintra

18. July 2016, Florian - Reise

Nach dem Frühstück im Garten der Hostel-Villa geht es vor den Touristen-Stürmen in den Palácio de Sintra. Felix wird von den portugiesischen Fremdenführerinnen umschwärmt. Später fahren wir mit Fahrrädern zum Park und Schloss Monserrate. Wir erleben den Start einer russischen Hochzeit, Felix spielt im Gras. Danach fahren wir wieder in unser Hostelparadies, liegen noch ein wenig in der Sonne und bereiten die Abreise nach Setubal vor. Unser Plan ist, mit dem Zug über Campolide nach Setubal zu fahren, da wir wieder die Zuggesellschaft wechseln müssen: Mit CP nach Lissabon und mit Fertagus nach Setubal. 


Tag 6 (03.05.2016): Sintra-Setubal (Zug)

18. July 2016, Florian - Reise

 

Am nächsten Morgen gibt es Frühstück im schönen Hostelgarten. Von Sintra fährt nur die CP, deshalb müssen wir erst nach Lissabon fahren und dort auf Fertagus umsteigen. Wenn ich es richtig verstehe, fährt nur Fertagus über die Brücke des 25. Aprils und in Richtung Süden und Setubal. Wir haben uns wieder für Lissabon/Campolide entschieden wegen unseren guten Erfahrungen, und weil wir den Bahnhof schon kennen (alternativ könnte man mit CP von Sintra nach Sete Rio oder Entrecampos). Bleibt zu hoffen, dass Fertagus ähnlich gute Fahrradwagons führt. Trotz Skepsis des Bahnhofpersonals gibt es reichlich Platz für unsere Fahrräder (die Spanngummis sind einfach genial) und den Anhänger. Zugegeben, wir erwischen immer Zeiten mit wenig Fahrgästen, ansonsten könnte es schwieriger werden, wir besetzen mit unserem Zeug fast die ganze Kapazität des Abteilbereichs. In Setubal angekommen sind wir hin und weg von der fahrradfreundlichen Innenstadt. Als Erstes machen wir auf einem kleinen Altstadt-Plätzchen Mittagspause. In der Botequim du Bocage gibt es einen super Galão (1 Euro). Es ist drückend heiß. Ich fahre mit dem Fahrrad zur überregionalen Touristeninformation. Eine junge Schweizerin informiert mich umfassend. Es gibt die Möglichkeiten, einen Zeltplatz im westlichen Naturreservat zu besuchen oder einen in den östlich gelegenen Flamingo-Sumpfgebieten. Der östliche Zeltplatz ist, so wie es auf der Karte aussieht, nur über stark befahrene Straßen zu erreichen. Der Zeltplatz im Naturreservat ist relativ hoch gelegen. Einige Höhenmeter wären zu erklimmen, einen Supermarkt gibt es dort nicht. Wir sind zu erschöpft und entscheiden uns für das Blue Coast Hostel direkt in der Stadt (und nur wenige Minuten von unserem Rastplatz entfernt); eine gute Entscheidung. Wir können unsere Fahrräder bequem an einer OSB-Theke vorbei in einen großen Innenhof schieben; es gibt eine professionelle Großküche, die wir benutzen können und unser Zimmer ist riesig mit schönem Parkett, Gemeinschaftsduschen und großem Aufenthaltsraum. Nachdem wir unsere Sachen ins Zimmer geschafft haben, geht es in den Supermarkt Wasser kaufen und in einen am westlichen Stadtrand gelegenen Park. Felix schnarcht im Anhänger, und wir stehen zum ersten Mal in diesem Jahr im Meer (zumindest mit den Füßen; der Atlantik ist noch frühjahrskalt). Danach geht es in den Supermarkt und ich kaufe Hackfleisch. Leider kapiere ich etwas spät, dass man in Portugal Nummern ziehen muss, ich warte ewig, weil lauter Portugiesen jede Menge Fleisch kaufen. Die Ware sieht frisch aus, und die Metzger hinter der Theke arbeiten schwer. Dazu kaufe ich Eier, Koriander, Petersilie, Paprika, Möhren und Zwiebeln. Im Hostel zaubert Corina Kefta mit Koriander und Petersilie und ich brate Paprika und Brokkoli scharf in Olivenöl an, mit einer Peperoni und Pfeffer, Zimt, Salz und Curry aus unseren Gewürzvorräten. Neben uns trinkt eine Gruppe von Russen Weißwein aus rotstieligen Hostelweingläsern. Felix rennt wie wild durch die Küche, spielt mit bunten  Plastikaschenbechern und drückt (fast) jeden leuchtenden Knopf. 


Tag 7 (04.05.2016): Setubal-Soltroia (Autofähre); Soltroia-Praia da Gale [41.9 km]

18. July 2016, Florian - Reise

Früh am Morgen trinken wir einen Galão (1 Euro) in der Boutequim und besuchen die berühmte Markthalle von Setubal. Felix ist der Star der Marktfrauen und -herren und wir müssen mehrere Extrarunden laufen. Wir kaufen Gemüse und danach im Supermarkt noch einige Vorräte. Mit Fahrrädern dürfen wir nur die etwas weiter östlich gelegene Autofähre benutzen. Es ist gut, die grünen Transportkarten aufzubewahren, auch für die Fähre können wir sie wieder benutzen (und es wird dadurch billiger, ca. 3,50 € für die ganze Familie). Die Spanngummis helfen uns dabei, die Fahrräder auf dem Bugdeck zu vertauen. In Soltroia, dem etwas unterhalb von Troia gelegenen Anleger für die Autofähre, geht es auf unsere erste Etappe in Richtung Praia da Gale. Es ist ein wolkenverhangener Tag und ziemlich heiß. Felix schläft im Anhänger. Wir machen unsere erste Pause und Felix spielt auf unserer türkisen Fleecedecke. Für uns gibt es Reisreste vom Vortag. Felix bekommt Brokkoli-Stückchen, Brot und Avocado. Alles funktioniert reibungslos, die Fahrräder laufen wie geschmiert. Der Campingplatz ist ziemlich leer. Wir schnappen uns den traumhaften Zeltplatz oberhalb der Sandklippen mit Sonnenuntergangsaussicht, auf dem ich in meiner Jugend schon einmal gecampt habe. Felix sagt zum ersten Mal Mamma (sein pap pap ist nicht so überzeugend). Es tut gut, dass im Campingplatzrestaurant keiner richtig Englisch spricht, wir kämpfen uns durch und trinken Galão (90 Cent), für Felix gibt es Pfannkuchen. Und dann ist noch die super Spielecke zu erwähnen, die sich hoffentlich nur positiv auf das Immunsystem von Felix auswirkt. Unsere Akkus laden wir an einer extra dafür angebrachten Mehrfachsteckdose. Der geschlossene Supermarkt wird für uns geöffnet und ich kaufe Wasser. Felix flippt im Zelt auf unseren neuen aufblasbaren Isomatten völlig aus, überall kann man hinspringen und nichts tut weh. Die Heringe sind leider keine Sandheringe, sodass ich einen 5l-Wasserkanister dafür benütze, das Außenzelt Richtung Süden abzuspannen (es ist Südwind und Regen vorausgesagt).


Tag 8 (05.05.2016): Praia da Gale

18. July 2016, Florian - Reise

Wir verbringen den verregneten Tag zusammen mit den Campingplatzrestaurant-Mitarbeiterinnen im Campingplatzrestaurant, schreiben, lesen und bearbeiten E-Mails. Am Mittag gibt es Nudeln. Ich schneide Möhren, Zwiebeln, frische Tomaten, viel glatte Petersilie und brate alles gemeinsam in Olivenöl an. Vorher muss ich noch unser Gaskocher-Problem lösen. Ich habe nur einen MSR-Schraubventil-Kocher dabei und im Declathon mit Hilfe der Beratung eine Gaskartusche gekauft. Leider stellt sich am Campingplatz nach Entfernen der Plastikkappe heraus, dass es sich nicht um ein Schraub-, sondern um ein Clip-Ventil handelt. Der Supermarkt wird für mich geöffnet, und ich kaufe einen Stechkartuschenkocher samt zwei Kartuschen (Kocher ca. 17 Euro, Kartuschen jeweils 2 Euro). Die Easy-Clip-Kartusche von Campinggaz schenke ich der Campingplatzrestaurant- und Supermarkt-Mitarbeiterin. Im Internet finde ich heraus, dass es ziemlich schwierig ist, in Portugal Schraubkartuschen zu besorgen. Wir vertagen das Problem fürs Erste. Am Abend gibt es wieder Pfannkuchen für Felix, ich esse die Begleit-Pommes und Corina den Begleit-Salat. Er regnet wie aus Gießkannen. Da es in der Nacht noch einmal stürmen soll, sichere ich das Zelt mit einem zweiten 5l-Kanister gefüllt mit Leitungswasser (das Wasser benützen wir am nächsten Morgen, um unsere Ausrüstung vom Sand zu reinigen). Die Zelt-Spannschnüre sichere ich mit der Kletterstrick-Wäscheleine am Baum. Als wir alle gemütlich im Bett liegen, höre ich plötzlich ein Geräusch an unseren Fahrrädern, ich leuchte mit der Taschenlampe nach draußen und sehe zwei weiß-leuchtende Augen. Ich springe aus dem Zelt und erkenne einen Fuchs, der sich an unserer Anhängertasche zu schaffen macht und die Plastiktüte mit unseren Lebensmitteln bereits zerfetzt hat. Ich laufe auf ihn zu und er verzieht sich, kommt aber immer wieder in die Nähe, sodass ich mit ein paar Steinen in seine Richtung werfe, um ihn zu erschrecken. Erst einmal ist er weg, ich sichere die Lebensmittel in einem Ortlieb-Sack und binde ihn auf einen Baum. Und ich wundere mich, da wir kein Fleisch transportieren, sondern nur Käse, Gemüse und Brot. Die Nacht ist ruhig. Am nächsten Morgen ist alles unversehrt bis auf eine Plastiktüte mit Corinas Sandalen, die zerfetzt und etwas entfernt vom Zelt liegt. Die Füchse haben sich vielleicht auf Campingplatzmülltüten spezialisiert.


Tag 9 (06.05.2016): Praia da Gale-Sines [37,8 km]

18. July 2016, Florian - Reise

Die Campingplatzrestaurant-Mitarbeiterinnnen haben es uns erlaubt, unsere Radklamotten im Restaurant zu trocknen. Alle mit Sand verunreinigten Ausrüstungsgegenstände putzen wir mit Leitungswasser aus dem 5l-Kanister. Felix springt im Zelt herum, und wir versuchen um ihn herum zu packen. Später trinken wir einen Galão im Campingplatzrestaurant und erleben einen herzzerreißenden Felix-Abschied von einer portugiesischen Campingplatzbesucherin. Sie empfiehlt uns dringend, nach Sines zu fahren und nicht ins Landesinnere. Am Gate des Campingplatzes treffen wir auf zwei Schweizer Radfahrer mit mehr Gepäck als wir (!). Sie raten uns, die N125 im Süden/Algavre zu vermeiden. Sie haben gehört, diese Straße sei für Radfahrer sehr gefährlich. Selber sind sie seit August 2015 unterwegs und wissen noch nicht, wie lange sie weiterfahren möchten. Sie empfehlen, weiter nach Portocovo zu fahren, finden Sines keine schöne Stadt und von Ölraffinerien geprägt. Wir fahren los und haben Glück, es regnet fast gar nicht. Ein kleines Stück müssen wir (nicht fertiggestellte) Autobahn fahren; nach einer Tankstellenbesitzerin (und Felixliebhaberin) gibt es absolut „nothing“ (mehrfach wiederholt) außer dieser Straße. Erfreulicherweise ist kaum Verkehr, keine Autobahngeschwindigkeit, und der Seitenstreifen ziemlich breit; den Hauptteil des Wegs fahren wir auf kleinen Sandpfaden neben der Straße. Dann geht es durch Vororte nach Sines. Langsam wird Felix quengelig und wir halten an einem Shoppingcenter. Wir stellen die Fahrräder außen an das Glasfenster, sichern sie mit unserem 2 m-langem Zahlenschloss und setzen uns in Sichtweite innen an einen Café-Tisch. Während Corina und Felix etwas essen, finde ich einen Ersatzschlauch für den Kinderanhänger (endlich ein 20“ 1.75 Schlauch) und einen Tennisball für Felix. Nun geht es weiter Richtung Innenstadt. Wir finden das Allmar-Hostel und entscheiden uns zu bleiben. Es ist ein ziemlich schönes und neues Hostel. Der Inhaber ist geschäftstüchtig und erzählt mir von seinen Mailinglisten, wir tauschen Visitenkarten und dürfen ein paar Lindenplatz-Flyer im Foyer auslegen (unsere Ferienwohnung: www-ferienwohnung-lindenplatz.de). Seine Frau arbeitet als Meeresbiologin in Sines. Unsere Fahrräder können wir ganz einfach unten im „Keller“ abstellen (mit Zugang zur Straße). Alles sehr praktisch. Wir nutzen seine Waschmaschine und am Abend gehen wir in einer Dorfkneipe gebratene Dorade und Lachs (für Felix) essen. Felix verfolgt einen portugiesischen Jungen; die Einheimischen nehmen ihn mit an die Bar, alle haben viel Spaß.


Tag 10 (07.05.2016): Sines-Porto Covo [18,6 km]

18. July 2016, Florian - Reise

 

Nach Felix’ erstem Cornflakes-Frühstück geht es nach Portocovo in das Ahoy-Hostel; für uns gebucht vom Allmar-Hostel-Besitzer. Wieder eine circa zweistündige Reise; es regnet immer wieder leicht; der Süd- und Gegenwind ist stark (in Böen um die 40 km/h) und wir kommen extrem langsam vorwärts. Gut, dass wir diese kurze Etappe gewählt haben. Die Straßen sind kaum befahren, die Natur blüht und Felix schläft im Anhänger. In Portocovo begrüßt uns der Hostelbesitzer herzlich, und wir beziehen ein sehr kleines (aber günstiges) Zimmer, die Fahrräder stellen wir in seine Garage. Wir haben alle ziemlich Hunger, sodass wir in ein Restaurant Mittagessen gehen. Im Tasca do Xico (ein Familienbetrieb) gibt es gebratenen Octopus mit Kartoffeln und Gemüse. Felix isst das erste Mal Octopus, und es scheint ihm zu schmecken. Es regnet den ganzen Tag aus Eimern. Ein Deutscher Fischerweg-Wanderer im Hostel ärgert sich über das Wetter und gibt uns ein paar gute Tipps für Übernachtungsmöglichkeiten an der Atlantikküste.